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Unsere Treffen in Berlin 1. Halbjahr 2017

Liebe Mitglieder und Freunde des Bundes und der Jakobus-Bruderschaft.

Wir möchten Sie herzlich zu unseren Veranstaltungen für

das erste Halbjahr 2017 einladen.

Die Vorträge finden wie üblich in der St. Canisius-Gemeinde

Witzlebenstr. 27-29, 14057 Berlin statt.

Raum im zweiten Obergeschoss. Seiteneingang der Kirche

U-Bahn: Sophie-Charlotte-Platz; S-Bahn : Messe Nord

Bushaltestelle: Kantstr./ Amtsgerichtsplatz

Beginn 15.00 Uhr mit dem Kaffeetrinken.

13 Januar – Dr. Gisela Schröder: „Toleranz in der Orthodoxie?“.

27 Januar – Pfr. Dr. Wohlenberg: „Johannes Bugenhagen – Beichtvater Luthers und

Organisator des neuen Kirchenwesens“.

10. Februar – Georg v. Glowczewski: „Wohl denen, die da wandeln“! Dr. Karl Sonnenschein

und die ökumenischen Wanderungen seit 1984“.

24. Februar – Christa Paul: „Bericht über die Kalahari Mission“.

10. März – Pfr i. R. Raymund Schwingel, Bad Sachsa: „Heinrich VIII. und Martin Luther-

Reformation in England und Deutschland“.

24. März – Dr. med. Dorothea Loook: „Abraham, der Vater des Glaubens“.

07. April – Walter Pehl: „Das Bußsakrament- Historische Einführung und Stand heute“.

21. April – Bernd Körner, Film: „Katharina von Bora, Nonne, Geschäftsfrau, Luthers Weib“.

12. Mai – Diakon Heyne: „Du siehst mich“ -Der deutsch- evangelische Kirchentag

zu Gast in Berlin und Wittenberg“.

26. Mai – Dr. Foerster- Espirel: „Vom Spätmittelalter bis zur Reformation, Jan Hus,

seine Zeit und der Weg zu Martin Luther“.

16. Juni – Pfr. i. R. Martin Bürgener: „Das Wort sie lassen stan“,

Anmerkungen zur Lutherbibel- Ausgabe 2017“.

30. Juni – Pfr. i.R. Volkmar Walther: „Reformationsgedenken 1917 bis 2017 –

Was ist daraus geworden?“.

Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen und Gottes Segen.

Das Team der Jakobus Bruderschaft von Berlin.

Bei Rückfragen: Dr. G. Schröder, Tel: 033 22 – 24 46 23

(Bund f. ev.-kath. Einheit, Vorstand Pfr. Raymund Schwingel, Pfr. Ferry Suárez, Pfr. Lic.theol. Volkmar Walter. Geschäftsstelle 08451 Crimmitschau, Kirchplatz 3. E-Mail

ferry.suarez@laurentius-gemeinde.de)

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Neues Bausteineheft

Heft 204, 2016, 56. Jahrgang Weihnachtszeit 2016/2017

Was heißt Weihnachtsfreude?

Abschied von Flora Krückeberg

“Amoris Laetitia”, Ehe und Ehescheidung

Lettische Lutheraner gegen Frauenordination

Welcher Luther? Besinung auf 2017

Gott und die Nturgesetze. Die Sache mit dem Pfahl

Und das nächste Heft? Wir brauchen Sponsoren!

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Amoris Laetitia

Das Schreiben des Papstes betrifft auch unsere evangelischen Anliegen!

www.knochedrhannover.de

Gottesbeweise

Endlich ein verständlicher Gottesbeweis

Hansjürgen Knoche

Bibel und Kirche

Schon im Alten Testament (Weish 13,1-9) heißt es: „Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht“. Paulus sagt in Röm 1,20: „Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar“. Das Neue Testament kennt den Gottesbeweis aus der Grundbedürftigkeit der Schöpfung, der Geschichte und der absoluten Verbindlichkeit des Gewissens. Die Kirche lehrt verbindlich, dass Gott aus den geschaffenen Dingen durch das natürliche Licht der Vernunft mit Sicherheit erkannt werden kann (Vat. I, DH 3026), woraus mit theologischer Sicherheit folgt, dass sein Dasein mittels des Kausalschlusses bewiesen werden kann (Sententia fidei proxima, DH 3537 ff).

Bisherige Versuche

Die im Mittelalter entstandenen klassischen Gottesbeweise von Anselm von Canterbury (ontologischer Beweis) und Thomas von Aquin (physiko-theologischer Beweis) werden wie eh und je diskutiert. Heute werden auch an modernen Wissenschaftsdisziplinen orientierte Beweise diskutiert, vor allem der kosmologische Beweis mittels Mathematik von Robert Meyer, der teleologische Beweis mittels Informatik von Werner Gitt und der kumulative Beweis mittels Bestätigungstheorie von Richard Swinburne.

Ein neuer Beweis auf grammatischer Basis

Während diese Beweisverfahren philosophisch kompliziert sind oder mit mathematischen Formeln arbeiten, die nicht für alle verständlich sind, hat nun der Philosoph Robert Spaemann einen neuen Gottesbeweis mithilfe der Grammatik vorgeschlagen (Der Gottesbeweis. Warum wir, wenn es Gott nicht gibt, überhaupt nichts denken können. Abgedruckt in: Die Welt vom 26.3.2005, von mir auf der Website eingesehen am 21.1.2016; Robert Spaemann, Der letzte Gottesbeweis, München 2007. Auf dieses Buch, S. 31 f, stütze ich die folgende Beschreibung). Dieser Beweis erfordert nur eine kurze Rückbesinnung auf unsere Deutschkenntnisse aus dem Schulunterricht. Er stützt sich nämlich auf das sogenannte Futurum exactum, in der deutschen Sprachlehre als Futurum 2 bezeichnet, also die Zeitform der vollendeten Zukunft, die ursprünglich einen abgeschlossenen Vorgang in der Zukunft bezeichnet: Etwas „wird gewesen sein“. Zum Beispiel: „Nächste Woche werde ich mein Examen bestanden haben“. Das entspricht nicht mehr dem heutigen Sprachgebrauch. Wir würden heute sagen: „Nächste Woche habe ich mein Examen bestanden“. Das ursprüngliche Futurum 2 drückt heute meist eine Vermutung aus: „Die fehlende Wurst wird der Hund gemopst haben“. Das ändert aber nichts daran, dass es tatsächlich Handlungen und Zustände gibt, die in der Zukunft abgeschlossen sein werden. Dieses „reale“ Futurum exactum liegt der Beweisführung von Spaemann zu Grunde.

Spaemanns Beweisführung

Der Beweisgang (er nimmt in dem zitierten Büchlein von 128 Seiten knapp zwei Druckseiten ein) geht so: Das Futurum exactum ist denknotwendig mit dem Präsens (der Gegenwartsform) verbunden. Von etwas zu sagen, es sei jetzt, ist gleichbedeutend damit, zu sagen, es sei in Zukunft gewesen. In diesem Sinn ist jede Wahrheit ewig: Was einmal wahr ist, wird auch in aller Zukunft wahr gewesen sein. Das Gegenwärtige bleibt als das zukünftig Gewesene immer wirklich. Die menschliche Erinnerung (Gedächtnis, Überlieferung, Bericht, Urkunde usw.) erlischt irgendwann, spätestens, wenn es keine Menschen mehr auf der Erde gibt. Es ist aber unsinnig und deshalb undenkbar, zu meinen, dann werde nicht mehr wahr gewesen sein, was sich hier und heute ereignet hat. Wenn wir einmal nicht mehr hier gewesen sein würden, dann wären wir tatsächlich auch jetzt nicht hier, was sich aus dem untrennbaren Zusammenhang von Gegenwart und Futurum exactum ergibt. Das ewige Wahrsein dessen, was einmal wahr gewesen ist, kann also nicht nur in unserem menschlichen Bewusstsein liegen. Wir müssen vielmehr ein Bewusstsein annehmen, in dem alles, was geschieht und einmal geschehen sein wird, für immer aufgehoben ist, also ein absolutes und universales Bewusstsein. Das Futurum 2 erzwingt das Postulat eines solchen absoluten Bewusstseins und universalen Gedächtnisses, das nur Gott haben kann.

Mögliche Folgerungen

Spaemanns Beweis könnte m. E. für einige weitere Fragen Erklärungshinweise geben. Etwa für die Lehre von der Auferstehung der Toten. Ökumenische Einigkeit besteht darüber, dass alle Toten am Ende der Zeiten auferstehen und zusammen mit den dann noch Lebenden zum Weltgericht erscheinen werden. Wo bleiben wir aber nach unserem Tod bis zu jenem jüngsten Tag, an dem alle Toten auferstehen? Gibt es bis dahin eine Trennung von Leib und Seele? Wo bleibt dann die Seele bis zur Wiedervereinigung mit dem Leib am jüngsten Tag? Nach der heutigen Informationstheorie könnte die Seele als ein Informationsprogramm verstanden werden, also eine Software, die sämtliche Informationen über einen Menschen, nicht nur die leiblichen, sondern auch alle geistigen Informationen und das gesamte Lebensbild dieses Menschen enthält. Software (Information) ist ein gedankliches Gebilde, das ohne einen Informationsträger, also eine Hardware, nicht existieren kann. Bis zur leiblichen Auferstehung scheint dem Informationsprogramm „Seele“ ein solcher Datenträger zu fehlen. Vielleicht könnte sie bis dahin als unser Futurum exactum im Gedächtnis Gottes aufbewahrt sein.

Auch ein besseres Verständnis von Evolution könnte durch Spaemanns Beweis vielleicht möglich werden. Die Frage ist, ob wir die Evolution des Lebens auf der Erde heute richtig verstehen oder noch in materialistischen und darwinistischen Vorurteilen befangen sind. So, wie Evolution bisher verstanden wird, müsste es gleitende biologische Übergänge (Links), also richtige „Stammbäume“ etwa zwischen den Hominiden, dem Homo erectus, dem Neandertaler und dem heutigen Menschen (homo sapiens sapiens) geben, analog auch bei allen Tierarten. Kein solcher Übergang ist bisher gefunden worden. Graduelle Mutationen konnten bisher nur innerhalb einer bestimmten Tierart nachgewiesen werden. Das ist Mikroevolution. Für die Makroevolution, also die Entstehung neuer Arten ist bisher noch kein einziges Beispiel gefunden worden. Es gibt Evolution, aber sie verläuft vielleicht anders als bisher angenommen. Der Schöpfungsplan hat vielleicht bestimmten Lebewesen in bestimmten Erdperioden, in denen die Umwelt gerade für diese Lebewesen geeignet war, ihre zeitliche Existenz zugewiesen. Neue Arten sind in neuer, für sie günstiger Umwelt entstanden. Sie waren und sind höher entwickelt als die ausgestorbenen Arten, aber sie bewahren zukunftsgeeignete Eigenschaften der früheren Epochen auf und integrieren sie in die höhere Lebensform. Wie geht das aber, wenn es keine erkennbaren Übergänge und Übertragungen gibt? Das Futurum exactum alles Vergangenen bleibt in Gottes universalem Gedächtnis und kann von ihm in vollkommener Form wieder belebt werden. Die früheren Lebensformen könnten also als Futurum exactum im Gedächtnis Gottes bewahrt sein, der ihren Informationspool an die höhere Entwicklungsstufe weitergibt.

„Töricht waren aber von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Herrn der Welt?“ ( Weish 13, 1-9).

Internationale Konferenz bekennender Gemeinschaften und Kirche

Zum Kirchenverständnis der „Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften“ (IKBG)

Hansjürgen Knoche

Die IKBG und nicht zuletzt ihr deutscher Zweig hat einen internationalen Ruf bei Christen aller Konfessionen und erhebliches ökumenisches Gewicht. Ihre theologischen Erklärungen zu biblischen Themen und christlichen Glaubensfragen sind von ausgezeichneter Qualität. Das gilt auch wieder für die 2015 erschienene „Salzburger Erklärung“ mit dem Thema „Die heutige Bedrohung der menschlichen Geschöpflichkeit und ihre Überwindung. Leben nach dem Schöpferwillen“. Die Erklärung greift hier die Forderung von Papst Benedikt XVI nach einer „Ökologie des Menschen“ auf, die insbesondere durch die zeitgenössische Gender-Ideologie bedroht wird. Der Grundgedanke ist: im Naturschutz und Tierschutz hat sich weitgehend der Gedanke durchgesetzt, dass gewaltsame menschliche Eingriffe, die zur Zerstörung oder unnatürlichen Manipulation der Natur führen, ethische Maßstäbe verletzen. Dagegen werden gewaltsame Eingriffe in die geschaffene Natur des Menschen noch weitgehend als fortschrittlich und der menschlichen Selbstbestimmung dienend angesehen, was aber ebenfalls ethisch nicht gerechtfertigt ist. Wie alle Dokumente ist auch diese Erklärung für bibeltreue Christen aller Konfessionen überzeugend und akzeptabel, sie ist in vollem Sinn katholisch. Ihre Kritik richtet sich fast nur gegen jene protestantischen Landeskirchen, die den Schutz des menschlichen Lebens von der Geburt bis zum natürlichen Tod, das biblische Leitbild für Ehe und Familie und den Respekt vor der natürlichen Geschlechtlichkeit des Menschen weitgehend aufgegeben haben. Das alles könnte in der katholischen Kirche nicht besser und deutlicher gesagt werden sodass auch diese Erklärung wieder von kirchlichen Amtsträgern und Gläubigen aller Konfessionen, auch von katholischen Bischöfen und Kardinälen unterzeichnet werden konnte.

Bisher sind freilich alle diese Erklärungen und Appelle bei den Leitungen unserer protestantischen Landeskirchen ungehört verhallt und ohne praktische Wirkung geblieben.

Die große Zustimmung beruht freilich auch darauf, dass die IKBG die entscheidenden Streitfragen, die bis heute in der ökumenischen Diskussion anstehen, bisher nicht aufgegriffen hat: das Verständnis von Kirche, kirchlichem Amt, Bischofsamt, apostolischer Sukzession, weltweiter Gemeinschaft der Bischöfe untereinander und mit dem Papst und nicht zuletzt das Petrusamt des Papstes selbst. Gerade die Berliner Ökumene-Erklärung von 1974, sozusagen das Gründungsmanifest der IKBG, formuliert Selbstverständnis und Ziele der IKBG kirchenneutral und überkonfessionell. Sie spricht von dem Riss, der quer durch alle Konfessionen gehe, und dem „Gegensatz zwischen der Gemeinschaft im biblischen Bekenntnis zu Jesus Christus und einer weltverhafteten Ökumene“. Hierin sieht sie eine „unausweichliche Scheidung der Kirchen“ in die den Weltkirchenrat dominierende Welteinheitsvision und eine quer durch die Kirchen und Konfessionen gehende christologisch-biblische Bekenntnisökumene.

Am Ende der Salzburger Erklärung wird nun aber erstmals ausgesprochen, was die IKBG unter Kirche versteht. Es heißt dort: „Ein solches gemeinsames Zeugnis bedarf in der gegenwärtigen Situation allerdings einer Überwindung jener schwerwiegenden Spaltungen und Spannungen, die v.a. innerhalb eines Teils der protestantischen Kirchen in der Frage alternativer Lebensformen zu Ehe und Familie oder schöpfungswidriger Ideologien (wie dem Genderismus) entstanden sind. Wo diese Spaltungen im Moment nicht überwindbar sind, dürfen die bekennenden Christen in den einzelnen Kirchen nicht zögern, mit Christen anderer Kirchen zu einem gemeinsamen öffentlichen Bekenntnis der apostolischen Wahrheit zu finden und das Einssein in der Lehre der ‚einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche‘ öffentlich zu bekunden“. So weit so gut. Wie dieser Begriff aber hier verstanden wird, erläutert die folgende Fußnote:

„Die hier genannten vier Wesenseigenschaften der Kirche Jesu Christi finden sich im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (dem sog. Nizänum), das zu den gemeinsamen Bekenntnissen der katholischen und der orthodoxen Kirchen, der lutherischen und der anglikanischen Kirchen gehört. Der Begriff „katholisch“ ist in diesem Bekenntnis noch vorkonfessionell (da es noch keine Kirchenspaltung gab). Er ist daher nicht auf die römisch-katholische Kirche beschränkt, sondern bezieht sich auf die ganze (jede spezielle Konfession übergreifende) Kirche“.

Das finde ich bedenklich, denn damit gibt die IKBG ihre bisherige ekklesiologische Neutralität auf, die es ermöglicht hat, dass Mitglieder aller Kirchen und Konfessionen ihren Erklärungen zustimmen konnten. Sie bekennt sich damit zu einem ganz bestimmten Einheitsmodell, das nicht das der katholischen Kirche ist – aber auch nicht das der Augsburgischen Konfession. Die Formulierung erinnert vielmehr an die für die katholische Kirche unannehmbare Leuenberger Konkordie, in der es (Nr. 14) heißt: „Die beteiligten Kirchen sind der Überzeugung, dass sie gemeinsam an der einen Kirche Jesu Christi teilhaben und dass der Herr sie zum gemeinsamen Dienst befreit und verpflichtet“. [Hervorhebungen von mir]. In ähnlicher Weise formuliert z.B. auch die Hochkirchliche Sankt Johannesbruderschaft, obwohl sie Mitglied der Hochkirchlichen Vereinigung „Augsburgischen Bekenntnisses“ ist, in ihrer Erklärung „Das kirchliche Amt in der Nachfolge der Apostel“: „Sie [sc. die Kirche] ist als EINE HEILIGE KIRCHE verwirklicht in allen Konfessionskirchen, den Ortskirchen, den Ortgemeinden und Christlichen Gemeinschaften. In ihnen allen subsistiert die EINE HEILIGE KIRCHE“. Das ist eindeutig nicht der Kirchenbegriff des Augsburger Bekenntnisses, das sich ebenso wie die römisch-katholische Kirche auf die eine ungeteilte (lateinisch-abendländische) heilige katholische und apostolische Kirche beruft und als deren Teil verstanden hat. Mit diesem Kirchenverständnis, hätte die IKBG ihre überkonfessionelle Neutralität aufgegeben und wäre auf die Linie der protestantischen Landeskirchen zurückgekehrt.

Sich für diesen Standpunkt auf das Nizänum zu berufen, scheint mir auch der innere Logik zu entbehren, denn wie man den vorkonfessionellen, die eine ungeteilte Kirche bezeichnenden Begriff der Katholizität im Nizänum auf die konfessionell gespaltene Vielfalt der heutigen „Kirchen“ übertragen kann, erscheint mir nicht als nachvollziehbar. Im Gegenteil zeigt doch dieser mit Recht als „vorkonfessionell“ bezeichnete Begriff, dass sich die heutigen Konfessionskirchen allenfalls als ökumenische Zielvorstellung (was sie nach der Aufkündigung der „Konsensökumene“ und der Propagierung der „Ökumene der Profile“ aber nicht mehr wollen), nicht aber als Zustandsbeschreibung auf ihn berufen können. Logisch folgerichtig erscheint mir allein das katholische Verständnis, wonach die eine ungeteilte Kirche Jesu Christi bis heute in der römisch-katholischen Kirche (die nicht einfach damit gleichzusetzen ist!) „subsistiert“ (bleibend gegenwärtig ist) (LG 8).

Anders ist es glücklicherweise mit dem Schriftverständnis der IKBG. Vielleicht ist nicht allen Mitgliedern bewusst, dass die theologischen Erklärungen nur deshalb stets Zustimmung bei katholischen Autoritäten finden können, weil hier die Bibel gerade nicht nach dem protestantischen Glauben, sie lege sich selbst aus (was im heutigen Protestantismus meist bedeutet: Ich lege mir die Bibel selbst aus), behandelt wird, sondern im katholischen Verständnis als die vom kirchlichen Lehramt geschaffene Urkunde der ungeteilten Kirche, die deshalb auch entsprechend der apostolischen Tradition des Lehramts ausgelegt werden muss. Nur in dieser Auslegung bleibt sie das Zeugnis für die unteilbare Einheit der Kirche. Die Bibel ist Urkunde der Kirche und damit auch das Zeugnis für ihre unteilbare Einheit. Auch dazu steht das in der Fußnote der Salzburger Erklärung ausgedrückte Kirchenverständnis m. E. in Widerspruch.

Die IKBG wird sich nun nach meiner Überzeugung zwischen drei Alternativen entscheiden müssen. Entweder bleibt sie bei diesem nunmehr eindeutig protestantisch-konfessionell geprägten Kirchenbegriff. Dann bleibt sie eine innerprotestantische Protestbewegung, die in den Landeskirchen nichts Wesentliches bewirkt und zur Kircheneinheit kaum beitragen kann. Oder sie kehrt zu ihrer bisherigen demonstrativen ekklesiologischen Indifferenz zurück. Dann muss sie sich fragen lassen, ob ihre theologischen Erklärungen mehr sind als nur ein wohltuendes theologisches und pastorales Palliativum, das sich zwar der katholischen Zustimmung wie des landeskirchlichen Desinteresses sicher sein kann, damit aber auch nichts zur Überwindung der Kirchenspaltung beiträgt. Oder, dritte Alternative, sie bekennt sich zur Katholizität der einen und ungeteilten Kirche Christi, die sie doch in ihrer Schriftauslegung immer stillschweigend voraussetzt.

Damit hätten übrigens die überzeugten und traditionsbewussten Lutheraner, die wohl das entscheidende Wort in der IKBG haben, eine wirklich ökumenisch relevante Chance. Sie könnten die bisher schon von zahlreichen kleineren lutherischen Gemeinschaften an Rom gerichtete Bitte unterstützen, Personalordinariate ähnlich wie für die Anglikaner nach der Apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus“ zu errichten, in die sie ihre gesamtkirchlich legitimen lutherischen Traditionen einbringen und so vor neuprotestantischer Entstellung bewahren könnten. Wenn von dieser großen und international einflussreichen Organisation eine solche Bitte käme, würde wohl der Papst dasselbe sagen müssen, was Benedikt XVI. in seiner Konstitution gesagt hat: „Denn der Nachfolger des heiligen Petrus, der vom Herrn Jesus den Auftrag erhalten hat, die Einheit unter den Bischöfen zu garantieren und der universalen Gemeinschaft aller Kirchen vorzustehen und diese zu schützen, kann es nicht unterlassen, die erforderlichen Mittel bereit zu stellen, um diesen heiligen Wunsch zu verwirklichen“.

Bausteine 202, Advent 2015

Inhalt:

Kein Platz in der Herberge? Biblische Betrachtung

Zur Entwicklung des evangelisch-katholischen Dialogs 2010 bis 2015

Wie geht es nach der Bischofssynode weiter?

Die Erwartung des Messias

Wunder

Für katholische Reform des Luthertums. Zeugnisse evangelischer Theologen

Sehen Sie sich das neue Heft an auf :

www.knochedrhannover.de

Evangelische Theologen für katholische Reform des Luthertums

Für katholische Reform des Luthertums

Zeugnisse evangelischer Theologen

Neuauflage von „Wo bleibt die evangelische Reformation?“ (1965) – 2015, hg. v. Hansjürgen Knoche.

 

Namhafte evangelische Theologen bestätigen hier: „Evangelisch-lutherische“ Landeskirchen repräsentieren nicht mehr die lutherischen Bekenntnisse. Sie haben sich von Sinn und Auftrag der Reformation, Bekenntnis- und Reformbewegung innerhalb der ungeteilten katholischen Kirche zu sein, weit entfernt. Damit sind sie nicht mehr ökumenefähig und verkünden statt Gottes Wort „moderne“ Beliebigkeiten. „Katholische Reformation“ bedeutet Klarheit in  der Lehre, Rückbesinnung auf die Glaubensquellen der Reformation und neue Offenheit für die unteilbare Einheit der Kirche Christi.

 

Norderstedt 2015, ISBN 9783738635911

92 Seiten. Paperback, 4,99 €

E-Book 3,49 € (Aktionspreis für 2 Wochen: 2,99 €!)

Bitte im normalen Buchhandel, nicht beim Herausgeber bestellen! 

 

Inhalt:

Vorwort des Herausgebers – Wo bleibt die evangelische Reformation? – Offenbarung, Kirche, Schrift, Überlieferung – Bekenntnis, Dogma, Theologie, Häresie- Das Hirtenamt der Kirche (Bischofsamt und Petrusamt) – Das Priesteramt – Das Sakrament der Ordination – Die Irrtumsfreiheit der Kirche – Die Menschwerdung des WORTES Gottes – Christus, Kirche, Kosmos – Die Verkündigung der Kirche – Das sakramentale Leben – Rechtfertigung und Glauben – Der Mensch „in Gott“ – Das reformatorische „Allein“ und das katholische „Und“ – Das Opfer Christi und das eucharistische Opfer der Kirche         – Das Sakrament der Buße – Buße,  Strafe, Wiedergutmachung,  Stellvertretung – Das Recht in der Kirche – Die Unzerstörbarkeit der Seele – Läuterungsort, Gebet für die Toten und das Gebet der Seligen – Mönchtum und Bruderschaften – Gemeinschaft und Verehrung der Heiligen – Marienlehre und Marienverehrung – Die sichtbare Einheit der Kirche – Die Katholizität der Kirche – Die Apostolizität der Kirche – Die römisch-katholische Kirche und die Kirchen der Reformation – Das Zweite Vatikanische Konzil und die evangelisch-katholische Einheit – Verzeichnis der zitierten Autoren – Biographie Max Lackmann.